• Regina

Achtung, fertig…Beikoststart!

Dein Kind will nicht essen?

„Mein Kind will nicht essen!“ – früher oder später kennen die meisten von uns dieses Problem. Nach Empfehlung vieler Kinderärzte sollte man mit circa 4 Monaten anfangen, Brei zuzufüttern. Dazu gibt es viele schlaue Tabellen und Pläne: Welcher Brei zuerst gefüttert wird, welche Milchmahlzeit weggelassen wird, was im Brei sein soll, wie gekocht oder gemixt …. Und zu guter Letzt: Wie bekomme ich den Brei ins Kind?!


Aber schauen wir uns doch mal die WHO-Empfehlungen an. Die Beikost ist, in der Definition, eine Übergangsphase zur Familienkost. Hier wird ausschließliches Stillen in den ersten 6 Monaten empfohlen, dann geeignete Beikost anbieten, wobei im ersten Lebensjahr Milch noch Hauptnahrungsmittel sein sollte und weiter zu stillen bis zum 2. Geburtstag und darüber hinaus, so lange Mutter & Kind wünschen.


Ist die Zeit dann also reif und gekommen, werden manche Eltern wahnsinnig (kreativ): Das Baby wird mit Zeichentrickfilmen, Musikvideos usw. abgelenkt, damit man ihm den Brei unterschieben kann; es kommt ein Flugzeug als Löffel und landet im Mund des Kleinen (auch wenn bei den Warteschleifen gern mal die Hälfte des Inhalts abstürzt) oder Fingerhandpuppen treten als Füttermeister auf…


Oft ist dann trotzdem der tolle, selbstzubereitete Bio-Brei überall, nur nicht im Kind. Warum tun wir uns und unseren Kindern diesen Stress eigentlich an? Essen sollte doch eigentlich von Beginn mit Spaß, Genuss und Freude statt mit Zwang, Stress und Frust verbunden sein.


Eine gute Nachricht für Dich:

Es gibt eben keinen universellen Beikostplan, anwendbar auf alle Kinder, so sehr wir uns das vielleicht auch wünschen. Jedes Kind ist individuell, das eine Kind fängt bereits mit 5 Monaten an, Interesse an „richtiger“ Nahrung zu zeigen, das andere ist mit 10 Monaten immer noch am liebsten an Mamas Brust / an der Flasche. Die gute Nachricht ist: Beides ist absolut okay!

Darauf baut das Prinzip des „Responsive Feedings“ auf. Es gilt auf das individuelle Bedürfnis des eigenen Kindes achten und dieses respektieren. Damit schaffst Du nämlich etwas fundamental Wichtiges: Die Grundlagen für ein gesundes Essverhalten. Das gelingt aber nur, wenn Dein Kind von Beginn an entscheiden kann, wie viel es essen möchte und nicht zwangsgefüttert wird!


Ab wann kann Beikost gegeben werden?

Eine Orientierung, wann man versuchen kann, dem Kind Beikost anzubieten, bieten die folgenden Punkte:

· Das Kind ist in der Lage aufrecht sitzen zu können und seinen Kopf zu kontrollieren;

· Es schiebt nicht automatisch feste Nahrung wieder aus dem Mund heraus, weil der Zungenstoßreflex verschwunden ist;

· Das Baby kann bereits selbst Essen in den Mund stecken und zeigen, wenn es nichts mehr möchte.


Bevor diese Punkte nicht zutreffen, sollte man keine Versuche unternehmen, dem Kind Beikost zu füttern.


Wichtig bei Frühgeborenen:

Frühgeborene sollten nach ihrem geplanten und nicht nach ihrem tatsächlichen Geburtstag betrachtet werden. Das heißt, wenn Dein Baby zwei Monate zu früh auf die Welt kam und jetzt sieben Monate alt ist, solltest Du trotzdem davon ausgehen, dass es eigentlich erst 5 Monate alt ist. Lass Dich also nicht davon stressen, dass andere Babys, die um den errechneten Geburtstermin auf die Welt kamen, mit sieben Monaten bereits Beikost zu sich nehmen wollen, Deins vielleicht aber noch gar kein Interesse zeigt!


Beikost bedeutet nicht abstillen!


Eine weitere gute Nachricht: Beikost soll weder das Stillen noch die Prenahrung sofort ersetzen, sondern diese ergänzen. Deine Muttermilch enthält alle Nährstoffe, die Dein Baby genau jetzt braucht! Du brauchst Dir also keine Sorgen machen, falls Dein Baby entweder die Beikost noch verweigert, mit dem Essen mehr spielt als isst oder nach zwei Löffelchen signalisiert, dass es genug hat.


Die Alternative zum Brei

Baby-led weaning“, auch BLW genannt (auf Deutsch „Beikost nach Bedarf“, oder „Baby-gesteuerte Entwöhnung“) ist gerade total „in“ und wurde von der britischen Hebamme und Expertin für Baby-Ernährung Dr. Gill Rapley durch ihr 2010 erschienenen Buch “Baby led weaning” populär: Dabei bietest Du Deinem Kind gedünstetes Gemüse oder Obststückchen, Nudeln usw. auf einem Tellerchen an und es kann selbst entscheiden, was es davon probieren will. Sei nicht frustriert, wenn das Essen am Anfang auch eher zermatscht und betatscht, anstatt gegessen wird oder gar mal in hohem Bogen vom Tisch fliegt! Alles muss erst einmal erkundet werden 😊 Ein kleiner Trost, wenn Du nach jeder Mahlzeit erstmal den Essbereich komplett putzen musst: Bei der Erkundung seines Essens trainiert Dein Baby auch gleich die Feinmotorik!


Im Prinzip kann fast alles angeboten werden, wobei Du es aber nicht übertreiben solltest mit zu viel Angebot. Verzichten solltest Du im ersten Lebensjahr u.a. auf Honig, Salz, Zucker und generell alle Süßigkeiten, Geschmackstoffe, Nüsse oder Beeren sowie Honig. Besonders gut eignen sich für den Anfang gedünstete Pastinaken, Kürbis, Karotten oder auch die Banane.


7 Praxistipps

  1. Wenn Du Dein Kind von Anfang an mit an den Familientisch nimmst, so ist es auch schon vor dem Beikoststart vertraut mit dem Konzept “Essen”.

  2. Erst stillen, dann Beikost!

  3. Iss wenn Dein Baby isst, weil Du sein größtes Vorbild bist. Es muss nicht viel essen!

  4. Dein Kind bestimmt sein Tempo.

  5. Biete Deinem Baby eine kleine Auswahl an Fingerfood an. Lass es selbst zugreifen.

  6. Vergiss den Spruch “Mit Essen spielt man nicht”. Dein Baby braucht noch lange, bis es versteht, dass Essen zum Sattwerden da ist. Und: Wenn es Spaß hat, lernt es am Effektivsten.

  7. Nimm das Chaos gelassen.

Mit der Zeit wird Dein Kind immer mehr selbst essen und ab dem achten Monat kann es auch festere Nahrung zu sich nehmen. Ab dem ersten Geburtstag kann es – wenn es das möchte – auch die Familienkost mitessen, nur solltest Du darauf achten, dass diese nur sehr leicht gewürzt ist. Am besten erst am Schluss würzen und vorher die Baby-Portion schon mal auf den Teller geben. Dann kann sie auch gleich abkühlen und dem gemeinsamen Ess-Vergnügen steht nichts mehr im Weg 😊


Guten Appetit!


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